ANWALT IN VIETNAM DR. OLIVER MASSMANN – VERORDNUNG ÜBER GESETZLICHE MINDESTLÖHNE – WAS SIE WISSEN MÜSSEN

Am 10. November 2025 hat die Regierung die Verordnung Nr. 293/2025/ND-CP über gesetzliche Mindestlöhne für Arbeitnehmer („Verordnung 293“) erlassen, die die Verordnung Nr. 74/2024/ND-CP („Verordnung 74“) ersetzt und zum 1. Januar 2026 in Kraft tritt. Die Verordnung 293 schreibt eine Anpassung der monatlichen und stündlichen Mindestlöhne in den vier Regionen vor, mit folgenden Einzelheiten:

1. Mindestmonatslohn
Region Aktueller Satz gemäß Verordnung 74 Angepasster Satz gemäß Verordnung 293 Erhöhung (%)
I VND 4.960.000 VND 5.310.000 7,06 %
II VND 4.410.000 VND 4.730.000 7,26 %
III VND 3.860.000 VND 4.140.000 7,25 %
IV VND 3.450.000 VND 3.700.000 7,25 %

2. Mindeststundenlohn
Region Aktueller Satz gemäß Verordnung 74 Angepasster Satz gemäß Verordnung 293 Erhöhung (VND)
I VND 23.800 VND 25.500 1.700
II VND 21.200 VND 22.700 1.500
III VND 18.600 VND 20.000 1.400
IV VND 16.600 VND 17.800 1.200

Hinweis: Dementsprechend ist es für Arbeitgeber wichtig, die Gehaltsklauseln in ihren Arbeitsverträgen und relevanten Dokumenten zu überprüfen und anzupassen, um die Einhaltung der Verordnung 293 sicherzustellen.

Bitte zögern Sie nicht, Dr. Oliver Massmann unter omassmann@duanemorris.com zu kontaktieren, wenn Sie Fragen zu den oben genannten Punkten haben oder wenn Sie Ihre Investition in Vietnam im Einklang mit den neuen Bestimmungen zur digitalen Technologie planen möchten. Dr. Oliver Massmann ist Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.

VIETNAM – DECREE ON STATUTORY MINIMUM WAGES- WHAT YOU MUST KNOW

On 10 November 2025, the Government issued Decree No. 293/2025/ND-CP on statutory minimum wages for employees (“Decree 293”) to replace Decree No. 74/2024/ND-CP (“Decree 74”), with effect from 1 January 2026. Decree 293 mandates an adjustment in the minimum monthly and hourly wages across the four regions with the details as follows:

1. Minimum month wage

Region Current rate under Decree 74 Adjusted rate under Decree 293 Increase (%)
I VND4,960,000 VND5,310,000 7.06%
II VND4,410,000 VND4,730,000 7.26%
III VND3,860,000 VND4,140,000 7.25%
IV VND3,450,000 VND3,700,000 7.25%

2. Minimum hourly wage

Region Current rate under Decree 74 Adjusted rate under Decree 293 Increase (VND)
I VND23,800 VND25,500 1,700
II VND21,200 VND22,700 1,500
III VND18,600 VND20,000 1,400
IV VND16,600 VND17,800 1,200

Accordingly, it is important for employers to review and adjust salary clauses in their employment contracts and relevant documents to ensure the compliance with Decree 293.

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Please do not hesitate to contact Dr. Oliver Massmann at omassmann@duanemorris.com if you have any questions on the above or if you wish to plan your investment in Vietnam in line with the new provisions on digital technology. Dr. Oliver Massmann is the General Director of Duane Morris Vietnam LLC.

ANWALT IN VIETNAM DR. OLIVER MASSMANN -VIETNAM NEUES RECHNUNGSLEGUNGSREGIME FÜR UNTERNEHMEN – WAS SIE WISSEN MÜSSEN:

Am 27. Oktober 2025 hat das vietnamesische Finanzministerium (MOF) die Rundschreiben-Nr. 99/2025/TT-BTC veröffentlicht, das Richtlinien für das Rechnungslegungsregime von Unternehmen enthält („Rundschreiben 99“) und offiziell das langjährige Rundschreiben Nr. 200/2014/TT-BTC („Rundschreiben 200“) sowie weitere verwandte Rundschreiben ersetzt. Rundschreiben 99 tritt am 1. Januar 2026 in Kraft und gilt für Geschäftsjahre, die an oder nach diesem Datum beginnen. Es konzentriert sich auf Finanzmanagement, Risikokontrolle und internationale Integration, um sich an die vietnamesischen Rechnungslegungsstandards (VAS) anzupassen, die sich an den International Financial Reporting Standards (IFRS) orientieren. Die wichtigsten Punkte sind:
1. Kontenrahmen (Chart of Accounts – CoA)
Statt Unternehmen wie im Rundschreiben 200 zur Einhaltung eines detaillierten Kontenrahmens zu verpflichten, bietet Rundschreiben 99 mehr Flexibilität, indem es Unternehmen erlaubt, den Kontenrahmen ihren Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Darüber hinaus werden einige Konten aus Rundschreiben 200 abgeschafft und neue Konten eingeführt, um den IFRS-Standards zu entsprechen, z. B.:
• Konto 215 – Biologische Vermögenswerte
• Konto 2295 – Rückstellungen für Wertminderungen biologischer Vermögenswerte
• Konto 1383 – Verbrauchssteuer (SCT) auf importierte Waren
2. Rechnungslegungswährung und Finanzberichte
Gemäß Rundschreiben 99 erhalten Unternehmen das Recht, Buchungsbelege eigenständig zu gestalten, sofern diese wahrheitsgemäß, überprüfbar und transparent sind und gemäß internen Buchhaltungsrichtlinien ausgestellt werden.
Darüber hinaus bietet Rundschreiben 99 flexiblere Regelungen zur Rechnungslegungswährung. Eine Änderung der Währung darf nur zu Beginn eines Geschäftsjahres erfolgen und muss auf dem durchschnittlichen Überweisungswechselkurs der regelmäßig genutzten Bank basieren.
Finanzberichte müssen weiterhin in Vietnamesischen Dong (VND) eingereicht werden. Zur Angleichung an die International Financial Reporting Standards (IFRS) wird die „Bilanz“ offiziell in „Vermögensübersicht“ (Statement of Financial Position) umbenannt.
Die Erläuterungen im Anhang der Finanzberichte werden deutlich erweitert und erfordern eine klare Offenlegung in Bezug auf:
– die Bestimmung der Rechnungslegungswährung
– die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen
– Konsolidierungselemente
– finanzielle Risiken
3. Anwendungsbereich
Rundschreiben 99 erweitert seinen Anwendungsbereich auf Kreditinstitute hinsichtlich ihrer nicht bankenspezifischen Geschäftsvorgänge (z. B. Sachanlagen, Vorräte), während bankenspezifische Vorgänge weiterhin unter der Leitung der Staatsbank von Vietnam stehen.
4. Abhängige Einheiten
Rundschreiben 99 ermöglicht eine flexible Dezentralisierung zwischen Muttergesellschaft und abhängigen Einheiten. Muttergesellschaften können entscheiden, ob das an abhängige Einheiten zugewiesene Kapital als Verbindlichkeit oder Eigenkapital ausgewiesen wird. Ebenso können sie wählen, ob Umsätze und Herstellungskosten für interne Transfers verbucht werden sollen oder nicht. Gleichzeitig können abhängige Einheiten entscheiden, ob sie eigene Finanzberichte erstellen, sofern das Unternehmen eine vollständige Datenkonsolidierung sicherstellt.
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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Oliver Massmann unter omassmann@duanemorris.com. Dr. Oliver Massmann ist Geschäftsführer von Duane Morris Vietnam LLC.

VIETNAM – NEW BUSINESS ACCOUNTING REGIME – WHAT YOU MUST KNOW:

On 27 October 2025, the Ministry of Finance (MOF) issued Circular No. 99/2025/TT-BTC providing guidelines for business accounting regime (“Circular 99”), officially replacing the long-standing Circular No. 200/2014/TT-BTC (“Circular 200”) and other related circulars. Circular 99 takes effect from 1 January 2026 and applies to fiscal years beginning on or after such a date. Circular 99 focuses on financial management, risk control, and international integration to align with the Vietnam Accounting Standards (VAS), oriented towards the International Financial Reporting Standards (IFRS) with the key points as follows:
1. Chart of Accounts (CoA)
Instead of requiring enterprises to follow the detailed CoA as regulated by the MOF as in Circular 200, Circular 99 provides the increased flexibility for enterprises by allowing enterprises to customize the CoA to suit their needs. Further, regarding the accounts, Circular 99 abolishes some of the accounts set out in Circular 200 and adds new accounts to be in line with the standard of IFRS, i.e., Acc. 215 – Biological Assets, Acc. 2295 – Provision for Impairment of Biological Assets, and Acc. 1383 – Special Consumption Tax (SCT) of imported goods.
2. Accounting Currency, and Financial Statements
Under Circular 99, enterprises are given the right to self-design accounting vouchers, provided that they are truthful, verifiable, and transparent, and are issued via internal accounting regulations. Circular 99 also provides more flexible rules on accounting currency, but any change must be made at the beginning of a fiscal year using the average transfer exchange rate of the bank regularly used. Financial statements must still be submitted in VND. To align with the IFRS, the “Balance Sheet” is officially renamed the “Statement of Financial Position”. Explanatory notes are substantially expanded, requiring clear disclosure based on determining the accounting currency, the impact of exchange rate fluctuations, consolidation elements, and financial risks.
3. Scope of Application
Circular 99 adds credit institutions to its scope of application for their non-specific banking operations (e.g., fixed assets, inventory), although specific banking operations remain under State Bank of Vietnam guidance.
4. Dependent Units
Circular 99 allows flexible decentralization between the parent company and dependent units. Parent companies may choose to recognize capital allocated to dependent units as liabilities or equity, and also decide whether or not to record revenue and cost of goods sold for internal transfers. At the same time, dependent units may choose whether or not to prepare separate financial statements, provided the enterprise ensures full data consolidation.
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Please do not hesitate to contact Dr. Oliver Massmann at omassmann@duanemorris.com if you have any questions. Dr. Oliver Massmann is the General Director of Duane Morris Vietnam LLC.

VIETNAM – DAN TRI IM GESPRÄCH MIT ANWALT IN VIETNAM DR. OLIVER MASSMANN – VIETNAMS BEEINDRUCKENDE ENTWICKLUNG UND VISION FÜR DIE ZUKUNFT

1. Nach über 20 Jahren Arbeit in Vietnam – wie beurteilen Sie die Entwicklung des Landes im Vergleich zu den ersten Tagen Ihres Aufenthalts? Was sind Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen im rechtlichen, geschäftlichen und investitionsbezogenen Umfeld?
OM: Ich kam zum ersten Mal am 6. Juni 1990 nach Vietnam und fuhr mit einem „xích lô“ durch Hanoi. Ich erinnere mich noch gut: Überall waren Bunker zu sehen, die Stadt wirkte wie eine Nachkriegslandschaft – obwohl der Krieg bereits 50 Jahre zurücklag. Damals war ich hier ein Riese, konnte kein Taxi bekommen, und hohe Gebäude gab es nicht.
Heute besitze ich Häuser in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi – zwei der dynamischsten Städte der Welt. Ich bin nicht mehr einer der wenigen großen Männer, kann problemlos ein Taxi nehmen, und die Infrastrukturentwicklung ist schlichtweg unglaublich. Ich erinnere mich noch genau an meine ersten juristischen Tätigkeiten hier: Ausländische Investoren mussten sich durch ein bürokratisches Labyrinth kämpfen, ich durfte nicht einmal neben einer vietnamesischen Frau laufen, die Menschen waren sehr arm und betrieben Geschäft im familiären Rahmen – aber mit großem Fleiß.
Alles hat sich verändert! Zuerst kam der WTO-Beitritt, dann die Freihandelsabkommen, große Investoren strömten ins Land, es gab Anerkennung für LGBT, Stärkung der Frauenrechte und ein klares rechtliches Rahmenwerk für Investitionen. Einige dieser Veränderungen haben in Deutschland Jahrhunderte gedauert – Vietnam hat sie in nur 20 bis 30 Jahren geschafft.
Für mich persönlich ist es schwer, die größte Veränderung zu benennen, weil es so viele tiefgreifende Entwicklungen gab. Wenn ich nur eine Sache nennen dürfte, wäre es das beeindruckende Maß an internationaler Integration. 1990 war Vietnam ein isoliertes Land mit einem US-Handelsembargo – eines der ärmsten Länder der Welt. Heute ist Vietnam ein Land mit mittlerem Einkommen, eines der am stärksten integrierten Länder mit dem modernsten Freihandelsabkommen überhaupt. Vietnam ist ein Vorzeigebeispiel für Entwicklungsländer.
Es ist einfach erstaunlich!
2. Wie bewerten Sie die sozioökonomische Entwicklungsvision Vietnams, wie sie in der Resolution des 13. Nationalkongresses der Kommunistischen Partei Vietnams definiert ist – insbesondere das Ziel, bis 2045 ein hochentwickeltes Land mit hohem Einkommen zu werden?
OM: Die Vision Vietnams – insbesondere das Ziel, bis 2045 ein hochentwickeltes Land mit hohem Einkommen zu werden – ist unglaublich ehrgeizig, klar und inspirierend. Sie bietet eine robuste, langfristige Roadmap, die politische Maßnahmen lenkt und sowohl dem privaten Sektor im Inland als auch internationalen Investoren Vertrauen vermittelt.
Mit den Fähigkeiten Vietnams und seiner Bevölkerung glaube ich fest daran, dass dieses Ziel erreichbar ist! In Bezug auf die Resolution des 13. Nationalkongresses sehe ich den Fokus auf Innovation, Wissenschaft, Technologie und hochwertige Humanressourcen als zentrale Wachstumstreiber. Ich bin überzeugt, dass dies der richtige Weg ist.
Zudem zeigt die Resolution ein starkes Engagement, sich vom Modell der kostengünstigen Produktion zu einer wertschöpfenden, wissensbasierten Wirtschaft zu entwickeln. Diese Transformation ist entscheidend, um der „Middle-Income Trap“ zu entkommen und das Ziel für 2045 zu erreichen – Vietnam als bedeutenden wirtschaftlichen Akteur im asiatisch-pazifischen Raum zu etablieren.
3. Eine der wichtigen Ausrichtungen Vietnams ist die Entwicklung der Wirtschaft unter Wahrung der makroökonomischen Stabilität und Sicherstellung der sozialen Sicherheit. Aus Sicht eines internationalen Experten – wie beurteilen Sie die Balance dieser Faktoren in Vietnam?
OM: Aus meiner Sicht hat Vietnam eine bemerkenswerte und lobenswerte Bilanz bei der Balance dieser Faktoren vorzuweisen – insbesondere im Vergleich zu anderen Ländern der Region. Die Regierung war äußerst effektiv darin, eine niedrige und stabile Inflation (im Durchschnitt etwa 2,8 % in den letzten zehn Jahren) aufrechtzuerhalten und die Staatsverschuldung deutlich unter den international akzeptierten Schwellen zu halten. Das über viele Jahre hinweg anhaltend hohe BIP-Wachstum spricht für sich und zeigt, dass Stabilität nicht auf Kosten der Entwicklung ging.
Besonders hervorzuheben ist der starke Rückgang der Armut sowie die signifikanten Verbesserungen bei der Lebenserwartung und im Bildungsbereich – ein klarer Beleg dafür, dass wirtschaftliches Wachstum mit positiven sozialen Ergebnissen einhergeht. Die proaktive Nutzung von Steuer- und Gebührennachlässen zur Unterstützung von Unternehmen und Einzelpersonen in schwierigen Zeiten (wie während der Pandemie) unterstreicht zusätzlich das Engagement der Regierung für soziale Sicherheit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit.
4. Vietnam bemüht sich verstärkt darum, ausländische Investoren anzuziehen – insbesondere in den Bereichen Technologie und Innovation. Als Berater zahlreicher internationaler Unternehmen – welche Vorteile sehen Sie in Vietnam für internationale Investitionen?
OM: Zunächst einmal verfügt Vietnam über eine der beeindruckendsten Arbeitskräfte, die ich je erlebt habe. Das Land hat eine junge, dynamische und schnell wachsende, technologieaffine Bevölkerung. Jährlich bringt Vietnam Hunderttausende IT- und Ingenieurfachkräfte hervor und schafft damit eine solide Basis für Branchen wie Halbleiter, Künstliche Intelligenz und Softwareentwicklung.
Zahlreiche kürzlich verabschiedete Gesetze bieten klare und attraktive Anreize für Hightech-Projekte – darunter bevorzugte Körperschaftsteuersätze und Steuerbefreiungen. Das zeigt, dass diese Art von Investitionen auf nationaler Ebene Priorität genießen. Und nicht zuletzt boomt die digitale Wirtschaft, was sowohl einen großen Verbrauchermarkt als auch ein fruchtbares Testfeld für neue Technologien und Dienstleistungen bietet.
5. Sie waren ein zentraler Berater bei der Umsetzung des Freihandelsabkommens zwischen Vietnam und der EU (EVFTA). Wie beurteilen Sie den internationalen Integrationsprozess Vietnams in den letzten Jahren, insbesondere nach dem Beitritt zu neuen Generationen von Freihandelsabkommen wie EVFTA und CPTPP? Was sollte Vietnam Ihrer Meinung nach tun, um die Vorteile dieser Abkommen bestmöglich zu nutzen?
OM: Das internationale Integrationsniveau Vietnams ist unvergleichlich. Durch den Beitritt zu Freihandelsabkommen der neuen Generation wie dem EVFTA und dem CPTPP hat sich Vietnam strategisch im Zentrum globaler Handelsströme positioniert. Um die Vorteile dieser Abkommen voll auszuschöpfen, ist zunächst eine institutionelle Reform erforderlich. Das bedeutet, dass der rechtliche und regulatorische Rahmen an internationale Standards angepasst werden muss.
Darüber hinaus sind in bestimmten Sektoren gezielte Veränderungen notwendig. Ein Handelszentrum von Weltklasse benötigt moderne und effiziente logistische Infrastrukturen – darunter Häfen, Straßen und digitale Systeme –, um Handelskosten zu senken und die Abfertigungszeiten zu verkürzen.
6. Vietnam hat wichtige Resolutionen verabschiedet, um das Land in eine neue Ära zu führen – darunter die Resolution 68 zur starken Entwicklung des privaten Wirtschaftssektors. Welche Wendepunkte wird diese Resolution Ihrer Meinung nach für den Entwicklungsprozess Vietnams, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich, in naher Zukunft schaffen?
OM: Die Resolution 68 zur Entwicklung des privaten Wirtschaftssektors stellt einen tiefgreifenden und historischen ideologischen Wendepunkt für die vietnamesische Wirtschaft dar. Sie setzt sich für die Schaffung eines fairen, wettbewerbsfähigen und transparenten Geschäftsumfelds ein und zielt darauf ab, historische Vorzugsbehandlungen zugunsten staatseigener Unternehmen (SOEs) und bestimmter ausländischer Direktinvestitionen gegenüber inländischen Privatunternehmen zu beseitigen.
Zudem ist das Ziel, bis 2030 mehrere große, global wettbewerbsfähige Privatunternehmen zu entwickeln, von entscheidender Bedeutung. Diese Unternehmen können das industrielle Wachstum vorantreiben, als Anker in globalen Wertschöpfungsketten fungieren und Wissenschaft, Technologie sowie Innovation fördern – und damit Vietnam helfen, den Erfolg seiner regionalen Nachbarn nachzuahmen.
Nicht zuletzt ist das Engagement, die Geschäftskosten und administrativen Verfahren deutlich zu reduzieren (z. B. um mindestens 30 % Zeit und Kosten), ein direkter Angriff auf bürokratische Hürden. Das erleichtert und beschleunigt die Geschäftstätigkeit und entfesselt unternehmerische Energie.
7. Basierend auf Ihrer langjährigen Erfahrung als internationaler Experte in Vietnam – welche Empfehlungen haben Sie für Vietnam, um seine Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern, ausländische Investitionen anzuziehen und nachhaltig zu wachsen?
OM: Ich habe mit Tausenden ausländischen Investoren gearbeitet. Und das wertvollste Gut für sie ist Rechtssicherheit. Vietnam sollte weiterhin seine rechtlichen Rahmenbedingungen vereinfachen, sicherstellen, dass zentrale Resolutionen (wie die Resolution 68) und internationale Verpflichtungen konsequent und effektiv auf lokaler und provinzieller Ebene umgesetzt werden, und die Verwaltungsverfahren weiter verschlanken.
Vietnam verfügt über eine einzigartige Arbeitskraft – dieses Kapital sollte erhalten und weiterentwickelt werden. Das gelingt durch kontinuierliche Verbesserung des Bildungssystems. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit ist es wichtig zu bedenken, dass Vietnam derzeit daran arbeitet, das ehrgeizige Ziel „Netto-Null bis 2050“ zu erreichen. Dieses Ziel ist ein bedeutendes Instrument zur Gewinnung von Investitionen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollte Vietnam ausländische Direktinvestitionen (FDI) in erneuerbare Energien, grüne Produktion und klimaresiliente Infrastruktur priorisieren und fördern. Das unterstützt nicht nur die nachhaltige Entwicklung, sondern erfüllt auch die steigenden ESG-Anforderungen (Environmental, Social, and Governance) großer internationaler Investoren und Käufer.
8. Was hat Sie dazu bewegt, sich langfristig für Vietnam zu entscheiden? Können Sie Ihre Gefühle schildern, als Sie 2016 als erster Ausländer vor der vietnamesischen Nationalversammlung auf Vietnamesisch gesprochen haben?
OM: Was könnte es anderes sein! Es sind die wunderbaren Menschen in Vietnam. Ich sage das jedem: Die Vietnamesen sind die pragmatischsten Menschen überhaupt. Sie sind pragmatisch, fleißig, freundlich, bescheiden – man kann gar nicht anders, als sich in sie zu verlieben. Ich liebe es, ihre Entwicklung zu beobachten, mit ihnen zu arbeiten – und das werde ich auch weiterhin tun.
Was meine Rede vor der vietnamesischen Nationalversammlung im Jahr 2016 betrifft – ich glaube nicht, dass Worte beschreiben können, wie ich mich gefühlt habe. Aber eines ist sicher: Ich habe dort vor Ort geweint, nachdem ein Mitglied der Nationalversammlung zu mir kam, um mir zu meiner Rede zu gratulieren. Es war wunderschön!
Bei Fragen können Sie sich gerne an Dr. Oliver Massmann unter omassmann@duanemorris.com wenden. Dr. Oliver Massmann ist Generaldirektor von Duane Morris Vietnam LLC.

VIETNAM – DAN TRI INTERVIEWING DR. OLIVER MASSMANN- VIETNAM’S IMPRESSIVE DEVELOPMENT AND VISION FOR ITS FUTURE

1. After more than 20 years working in Vietnam, how do you view the development of Vietnam at present, compared to the first days when you set foot in Vietnam? In your opinion, what are the biggest changes in the legal, business and investment environment in Vietnam?
OM: I came to Vietnam for the first time on exactly 6 June 1990, I caught a “xích lô” to see around Hanoi. I still remember that there was lots of bunkers in Hanoi and an “after war” city, the war that ended 50 years ago. I was a giant here back then, I could not catch a cab, and tall buildings were nowhere to be found.
Now I have houses in both Ho Chi Minh City and Hanoi City, two of the most dynamic cities in the world. I am no longer one of the few tall guys, I could catch a taxi easily, and the infrastructure development is unbelievable. I still remember it like yesterday when I first practiced law here, foreign investors had to go through hell to do business here in Vietnam, I was not allowed to walk side by side Vietnamese woman, the people were very poor and they used to do business in a family scale, very industrious. Everything has changed! First it was the accession to the WTO, and then the free trade agreements, giant investors coming in, recognition for LGBT, empowerment for women, clear legal framework for investment. Some of the changes took Germany hundreds of years, and it took Vietnam only 20 – 30 years. For me personally, I cannot even think of the biggest changes because there were so my massive changes. If I have only one thing to say, I would say that the international integration level of Vietnam is the most impressive. In 1990, Vietnam was an isolated country with trade embargo imposed by the U.S – one of the poorest countries on the planet Earth. As we are talking today, Vietnam is a middle-income country, one of the most integrated countries with the most modern free-trade-agreement ever. Vietnam is a poster child for developing countries.
It is amazing!

2. How do you evaluate Vietnam’s socio-economic development vision as defined in the Resolution of the 13th National Congress of the Communist Party of Vietnam, especially the goal of becoming a high-income developed country by 2045?
OM: Vietnam’s vision, particularly the goal of becoming a high-income developed country by 2045, is incredibly ambitious, clear, and inspiring. It provides a robust, long-term roadmap that guides policy and instills confidence in both the domestic private sector and international investors. With the capability of Vietnam and its people, I believe that Vietnam can achieve this goal! About the Resolution of the 13th National Congress of the Communist Party of Vietnam, I see a focus on innovation, science, technology, and high-quality human resources as the main drivers for growth. I believe that these focuses are the right way to go. Also, it signals a strong commitment to moving beyond a low-cost manufacturing model toward a value-added, knowledge-based economy. This transformation is crucial for avoiding the middle-income trap and achieving the 2045 target, establishing Vietnam as a significant economic player in the Asia-Pacific region.

3. One of Vietnam’s important orientations is to develop the economy along with macroeconomic stability and ensure social security. From the perspective of an international expert, how do you assess how Vietnam has balanced these factors?
OM: From my point of view, Vietnam has demonstrated a remarkable and commendable track record in balancing these factors, especially when compared to its regional peers. The government has been highly effective in maintaining low and stable inflation (averaging around 2.8% over the past decade) and managing public debt well below international comfort levels. The sustained, high GDP growth rate over many years speaks for itself, showing that stability has not come at the cost of development. Most notably, the sharp reduction in poverty and significant improvements in life expectancy and education demonstrate that economic growth is being coupled with successful social outcomes. The government’s proactive use of tax and fee reductions to support businesses and individuals during challenging periods (like the pandemic) further illustrates this commitment to social security and market resilience.

4. Vietnam is making efforts to attract foreign investors, especially in the fields of technology and innovation. As a consultant for many international corporations, what advantages do you think Vietnam has to attract international investment?
OM: First of all, Vietnam has one of the most impressive workforce that I have ever seen. Vietnam has a young, dynamic, and rapidly-growing tech-savvy workforce. The country consistently produces hundreds of thousands of IT and engineering professionals, building a strong foundation for sectors like semiconductors, AI, and software development. Many recent issued laws provide clear, attractive incentives for high-tech projects, including preferential corporate income tax rates and tax holidays. This signals a national-level prioritization of this type of investment. Last but not least, the digital economy is booming, providing both a large consumer market and a fertile testing ground for new technologies and services.

5. You were a key advisor in the implementation of the Vietnam – EU Free Trade Agreement (EVFTA). How do you assess Vietnam’s international integration process in recent years, especially after joining new generation free trade agreements such as EVFTA and CPTPP? In your opinion, what should Vietnam do to maximize the benefits from these free trade agreements?
OM: Vietnam’s international integration level is unmatched. By joining new-generation FTAs like the EVFTA and CPTPP, Vietnam has positioned itself at the center of global trade flows. To maximize the benefits from the said agreements, first thing first, institutional reform is required. This means that the legal and regulatory framework must be amended to align with international standards. Further, in some specific sectors, changes are required. For example, a world-class trade hub requires modern, efficient logistics infrastructure (ports, roads, and digital systems) to reduce trade costs and speed up clearance times.

6. Vietnam has issued important resolutions to bring the country into a new era, including Resolution 68 on the strong development of the private economic sector. In your opinion, what turning point will Resolution 68 create for Vietnam’s development process, especially in the economic field, in the coming time?
OM: Resolution 68 on the development of the private economic sector marks a profound and historic ideological turning point for Vietnam’s economy. The resolution champions creating a fair, competitive, and transparent business environment, aiming to eliminate historical biases favoring State-Owned Enterprises (SOEs) and certain FDI over domestic private firms. Also, the goal to develop a number of large, globally competitive private enterprises by 2030 is crucial. These companies can drive industrial growth, act as anchors in global value chains, and spearhead science, technology, and innovation, helping Vietnam emulate the success of its regional neighbors. Lastly, the commitment to significantly cut business costs and administrative procedures (e.g., cutting at least 30% of time and costs) is a direct attack on red tape, making it easier and faster to do business and unlocking entrepreneurial energy.

7. Based on the experience of an international expert who has worked in Vietnam for many years, what recommendations do you have for Vietnam in continuing to improve its competitiveness, attract foreign investment and develop sustainably?
OM: I have work with thousands of foreign investors. And the most valuable assets for them is legal certainty. Vietnam should continue to simplify legal frameworks, ensure that central resolutions (like Resolution 68) and international commitments are consistently and effectively implemented at the local and provincial levels, and further streamline administrative procedures. Vietnam is having one-of-a-kind workforce and such an advantage should be maintained and improved. Vietnam can achieve such a goal by keep improving its education system. When it comes to sustainable, it is important to bear in mind that Vietnam is currently working its way to achieve an ambitious Net Zero by 2050. This goal is an important investment attraction tool. To achieve this goal, Vietnam should Prioritize and incentivize FDI in renewable energy, green manufacturing, and climate-resilient infrastructure. This not only supports sustainable development but also meets the increasing ESG (Environmental, Social, and Governance) requirements of major international investors and buyers.

8. What motivated you to decide to stay in Vietnam for a long time? Can you share your feelings when you became the first foreigner to speak in Vietnamese before the Vietnamese National Assembly in 2016?
OM: What else can it be! It is the amazing people of Vietnam. I always tell everybody this, Vietnamese people are the most pragmatic people ever. They are pragmatic, hardworking, kind, friendly, humble – you just cannot help it but falling in love with them. I love to see their developments, I love to work with them, and I will keep it that way.
As for my speech in front of the Vietnamese National Assembly back in 2016, I don’t think words can describe how I feel. But one thing for sure, I cried there, on the spot, after one member of the National Assembly came to congratulate me for my speech. It was beautiful!
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Please do not hesitate to contact Dr. Oliver Massmann at omassmann@duanemorris.com if you have any questions. Dr. Oliver Massmann is the General Director of Duane Morris Vietnam LLC.

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